Einführung von Zero Trust Architecture in der Fertigung
Ein Fertigungswerk mit 500 vernetzten Geräten – PLCs, HMIs, Roboter, Sensoren, Historians – und einem flachen Netzwerk gibt einem Angreifer, der eine Workstation kompromittiert, direkten Zugriff auf jedes Gerät in der Produktion. Fertigungsumgebungen sind diesem Risiko täglich ausgesetzt, weil herkömmliche perimeterbasierte Abwehrmaßnahmen keine Absicherung gegen laterale Bewegungen im Netzwerk bieten. Die Einführung einer Zero Trust Architecture begegnet diesem Problem direkt. Anders als konventionelle Sicherheitsmodelle basiert Zero Trust auf dem Grundprinzip „Niemals vertrauen, immer verifizieren" und stellt sicher, dass jede Interaktion im Netzwerk authentifiziert und autorisiert wird – unabhängig von ihrem Ursprung. Für Hersteller kann die Implementierung eines Zero Trust-Frameworks die Sicherheit erheblich verbessern, kritische Assets schützen und die Einhaltung von Standards wie NIST 800-171, CMMC und NIS2 gewährleisten.
Zero Trust Architecture verstehen
Zero Trust Architecture stellt herkömmliche Sicherheitsparadigmen in Frage, die auf der Absicherung des Perimeters beruhen. Stattdessen setzt sie auf die kontinuierliche Überprüfung von Benutzer- und Geräteidentität, das Prinzip der minimalen Rechtevergabe sowie Mikrosegmentierung, um die laterale Ausbreitung von Bedrohungen einzuschränken.
Grundprinzipien von Zero Trust
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Explizit verifizieren: Jede Zugriffsanfrage – intern oder extern – muss anhand aller verfügbaren Datenpunkte authentifiziert und autorisiert werden, einschließlich Benutzeridentität, Standort, Gerätezustand sowie Dienst oder Workload.
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Minimale Rechtevergabe: Benutzerrechte auf das absolute Minimum beschränken, das zur Ausführung der jeweiligen Aufgaben erforderlich ist. Dies begrenzt den potenziellen Schaden durch kompromittierte Zugangsdaten oder Insider-Bedrohungen.
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Von einem Angriff ausgehen: Das Netzwerk unter der Annahme gestalten, dass ein Angriff stattfinden wird. Maßnahmen wie Mikrosegmentierung und detailliertes Logging implementieren, um Bedrohungen schnell zu erkennen und darauf zu reagieren.
Zero Trust im Fertigungskontext
Fertigungsumgebungen stehen vor besonderen Herausforderungen durch die Konvergenz von IT- und OT-Systemen. Diese Umgebungen umfassen häufig Legacy-Systeme und industrielle Steuerungssysteme (ICS), die nicht mit Blick auf Sicherheit entwickelt wurden.
Herausforderungen bei der Implementierung von Zero Trust in der Fertigung
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Legacy-Systeme: Viele Fertigungssysteme laufen auf veralteter Technologie, die moderne Sicherheitsprotokolle oder Updates nicht unterstützen kann, was ein erhebliches Risiko darstellt.
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Komplexe Netzwerkarchitektur: Fertigungsnetzwerke sind typischerweise komplex und erfordern eine reibungslose Interaktion zwischen verschiedenen Systemen, was die Implementierung von Zero Trust erschwert.
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OT-spezifische Risiken: OT-Netzwerke steuern kritische Funktionen und Maschinen und erfordern Echtzeitkommunikation sowie hohe Verfügbarkeit, die durch herkömmliche Sicherheitsmaßnahmen beeinträchtigt werden können.
Entwurf einer Zero Trust Architecture für OT-Sicherheit
Um Zero Trust in einer Fertigungsumgebung wirksam zu implementieren, muss die Architektur auf die spezifischen Anforderungen und Einschränkungen des OT-Netzwerks zugeschnitten werden.
Schritte zur Implementierung von Zero Trust Architecture
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Asset-Inventarisierung und -Klassifizierung: Zunächst alle Assets – sowohl IT als auch OT – im Netzwerk identifizieren. Diese nach Kritikalität und Anfälligkeit klassifizieren, um Sicherheitsmaßnahmen zu priorisieren.
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Netzwerksegmentierung: Mikrosegmentierung einführen, um isolierte Zonen im Netzwerk zu schaffen. Den Zugriff zwischen Zonen auf das für den Betrieb unbedingt Notwendige beschränken.
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Identity and Access Management (IAM): IAM-Lösungen einsetzen, die sowohl Benutzer- als auch Geräteauthentifizierung unterstützen und eine ordnungsgemäße Überprüfung vor der Gewährung von Zugriff auf Netzwerkressourcen sicherstellen.
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Kontinuierliches Monitoring und Analyse: Erweiterte Monitoring-Tools einsetzen, um Transparenz über Netzwerkverkehr und Benutzerverhalten zu gewinnen. Diese Daten analysieren, um Anomalien oder unbefugte Zugriffsversuche zu erkennen.
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Richtliniendurchsetzung: Netzwerkrichtlinien nutzen, um Sicherheitskontrollen durchzusetzen und Reaktionen auf potenzielle Bedrohungen zu automatisieren. Dazu gehören das Blockieren von Zugriffen, die Benachrichtigung von Sicherheitsteams oder die Isolierung kompromittierter Geräte.
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Regelmäßige Audits und Compliance-Prüfungen: Regelmäßige Audits der Sicherheitslage durchführen und die Einhaltung relevanter Standards wie NIST 800-171, CMMC und NIS2 sicherstellen.
Praktische Überlegungen und Best Practices
Beim Aufbau eines Zero Trust-Modells für die Fertigung sollten folgende Best Practices berücksichtigt werden, um die Sicherheit zu erhöhen, ohne die Betriebseffizienz zu beeinträchtigen:
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Vorhandene Infrastruktur nutzen: Bestehende Netzwerkinfrastruktur und Sicherheits-Tools wo möglich einsetzen, um Unterbrechungen und Kosten zu minimieren.
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Netzwerkdesign priorisieren: Den Schwerpunkt auf ein Netzwerkdesign legen, das die nahtlose Integration von Zero Trust-Prinzipien unterstützt – insbesondere hinsichtlich Segmentierung und Zugangskontrolle.
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Schulung und Sensibilisierung: Mitarbeiter über die Bedeutung von Zero Trust und ihre Rolle bei der Aufrechterhaltung der Sicherheit informieren. Regelmäßige Schulungen können menschliche Fehler reduzieren, die häufig zu Sicherheitsvorfällen beitragen.
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Skalierbarkeit und Flexibilität: Die Zero Trust Architecture so gestalten, dass sie skalierbar und anpassungsfähig an künftige technologische Entwicklungen und sich verändernde Bedrohungen ist.
Fazit: Die Zukunft der Fertigungssicherheit
Zero Trust in der Fertigung beginnt mit drei Maßnahmen: alle Geräte inventarisieren, alle Zonen segmentieren und jede Verbindung authentifizieren. Mit den Produktionszellen mit dem höchsten Risiko beginnen – jenen, in denen ein kompromittiertes Gerät eine Linie zum Stillstand bringen oder einen Sicherheitsvorfall verursachen könnte. Dort zuerst Mikrosegmentierung und identitätsbasierte Zugangskontrolle einführen, das Modell ohne Produktionsunterbrechung validieren und anschließend auf den Rest des Werks ausweiten.
Weitere Zero Trust OT-Ressourcen, Architekturleitfäden und Vergleiche finden Sie im Zero Trust für OT-Netzwerke Hub.

