TroutTrout
Back to Blog
NIS2ComplianceLegacy Systems

NIS2-Konformität für die Fertigung – Absicherung von OT-Legacy-Maschinen und On-Premise-Systemen

Trout Team3 min read

NIS2-Compliance in der Fertigung

Mit der Einführung der NIS2-Richtlinie müssen Hersteller ihre Cybersicherheitsstrategien neu ausrichten – insbesondere beim Schutz von Legacy-Systemen. NIS2-Compliance bedeutet nicht nur, regulatorische Anforderungen zu erfüllen, sondern auch OT- und IT-Umgebungen vor wachsenden Cyberbedrohungen zu schützen.

Die NIS2-Richtlinie: Kurzüberblick

Die Netz- und Informationssicherheitsrichtlinie 2 (NIS2), die bis 2026 vollständig umgesetzt sein soll, erweitert ihren Vorgänger durch einen breiteren Anwendungsbereich und strengere Sicherheitsanforderungen für kritische Infrastrukturen, einschließlich der Fertigung. Organisationen müssen einen risikobasierten Ansatz für die Cybersicherheit verfolgen und Maßnahmen zur Stärkung der Netz- und Informationssicherheit umsetzen.

Wesentliche Ziele von NIS2:

  • Stärkung der Cyberresilienz in kritischen Sektoren.
  • Verbesserung der Reaktionsfähigkeit bei Sicherheitsvorfällen.
  • Harmonisierung von Cybersicherheitsmaßnahmen in den EU-Mitgliedstaaten.

Herausforderungen beim Schutz von Legacy-Systemen

Legacy-Systeme in der Fertigung stellen häufig erhebliche Sicherheitsrisiken dar. Obwohl sie für Produktionsprozesse unverzichtbar sind, fehlen ihnen oft moderne Sicherheitsmechanismen, und sie lassen sich nur schwer mit aktuellen Cybersicherheitslösungen kombinieren. Das Ergebnis ist eine erhöhte Anfälligkeit für Cyberangriffe.

Typische Probleme mit Legacy-Systemen

  1. Fehlender Herstellersupport: Viele Legacy-Systeme erhalten keine Updates oder Patches mehr, was Sicherheitslücken entstehen lässt.
  2. Veraltete Protokolle: Ältere Kommunikationsprotokolle unterstützen häufig keine Verschlüsselung oder andere Sicherheitsfunktionen.
  3. Integrationsprobleme: Legacy-Systeme lassen sich oft nicht ohne Weiteres mit neueren Technologien verbinden, was ihre Absicherung erschwert.

NIS2-Compliance-Strategien für Legacy-Systeme

NIS2-Compliance erfordert einen kombinierten administrativen und technischen Ansatz. Nachfolgend finden Sie konkrete Maßnahmen für Hersteller:

Gründliche Risikoanalyse durchführen

Vor der Implementierung von Sicherheitsmaßnahmen ist eine Risikoanalyse durchzuführen, um Schwachstellen in Legacy-Systemen zu identifizieren. Diese Analyse sollte:

  • Alle Assets erfassen, einschließlich Legacy-Maschinen.
  • Die möglichen Auswirkungen eines Sicherheitsvorfalls bewerten.
  • Risiken nach Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkung priorisieren.

Segmentierung und Isolation umsetzen

Netzwerksegmentierung schränkt die Ausbreitung eines Angriffs wirksam ein. Folgende Maßnahmen sind empfehlenswert:

  • Mikrosegmentierung: Legacy-Systeme durch Mikrosegmentierung von kritischen Netzwerksegmenten isolieren.
  • Demilitarisierte Zonen (DMZs): DMZs einsetzen, um Legacy-Systeme vom Hauptnetzwerk zu trennen und die Angriffsfläche zu reduzieren.

Protokoll-Gateways einsetzen

Für Legacy-Systeme mit veralteten Protokollen bieten Protokoll-Gateways eine Brücke zu modernen Netzwerken. Diese Gateways können:

  • Legacy-Protokolle in sichere, moderne Äquivalente übersetzen.
  • Zusätzliche Sicherheitsfunktionen wie Verschlüsselung und Authentifizierung bereitstellen.

Monitoring und Incident Response verbessern

Bessere Transparenz über Netzwerkaktivitäten ermöglicht eine frühzeitige Erkennung und Reaktion auf Bedrohungen:

  • Intrusion Detection Systems (IDS) einsetzen, die auf OT-Umgebungen ausgelegt sind.
  • Zentralisierte Logging- und Monitoring-Tools implementieren, um Daten aus Legacy-Systemen zu aggregieren und zu analysieren.

Zero Trust-Prinzipien anwenden

Zero Trust-Prinzipien helfen, Legacy-Systeme abzusichern, ohne eine vollständige Erneuerung zu erfordern:

  • Least Privilege Access: Zugriff auf Systeme und Daten auf Basis von Aufgabenbereichen einschränken.
  • Kontinuierliche Verifizierung: Identität und Integrität von Benutzern und Geräten, die auf das Netzwerk zugreifen, regelmäßig überprüfen.

Normen zur Unterstützung der Compliance

Anerkannte Standards erleichtern die Erfüllung der NIS2-Anforderungen:

  • NIST SP 800-171: Leitlinien zum Schutz kontrollierter, nicht klassifizierter Informationen (CUI) in nicht-föderalen Systemen.
  • CMMC: Rahmenwerk für Cybersicherheitsreife von Verteidigungsauftragnehmern, die mit dem DoD zusammenarbeiten – anpassbar für Legacy-Systeme.
  • IEC-62443: Umfassende Sicherheitsleitlinien speziell für industrielle Automatisierungs- und Steuerungssysteme.

Fazit

Legacy-Systeme in Fertigungsumgebungen abzusichern ist anspruchsvoll, aber notwendig – sowohl für die NIS2-Compliance als auch für den Schutz kritischer Infrastrukturen. Durch gründliche Risikoanalysen, Netzwerksegmentierung, verbessertes Monitoring und die Anwendung von Zero Trust-Prinzipien stärken Hersteller ihre Abwehr gegen Cyberbedrohungen. Da die Umsetzungsfrist näher rückt, ist jetzt der richtige Zeitpunkt zum Handeln. Bewerten Sie Ihre aktuelle Sicherheitslage und setzen Sie diese Maßnahmen um, damit Legacy-Systeme nicht zur Schwachstelle in Ihrem Cybersicherheitsrahmen werden.


Weitere NIS2-Ressourcen, Optionen für souveräne Deployments und Compliance-Leitfäden finden Sie im NIS2 Compliance für On-Premise OT Hub.